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 Thema: ADHS

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Astrid
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BeitragThema: Thema: ADHS   So Feb 08, 2009 7:50 pm

Das "spezifische Verhaltensmuster beim ADHS"

Dieses "spezifische Verhaltensmuster beim ADHS" setzt sich zusammen aus
1. den typischen hyperkinetischen Verhaltensweisen
2. den qualitativen Merkmalen dieser Verhaltensweisen
3. den sogenannten "Handlungsprinzipien"

Zu 1.: Zu den typischen hyperkinetischen Verhaltensweisen gehören:

- die ausgeprägten Schwächen in der Steuerung und Focussierung der Aufmerksamkeit
- die damit einhergehende hohe Ablenkbarkeit von internen und externen Reizen
- die Konzentrationsschwierigkeiten
- die motorische Unruhe
- die hohe psychosomatische Erregbarkeit
- die Reiz- und Frustrationstoleranz
- Schwächen in der Konditionierbarkeit, d.h. in der Übernahmen von Verhaltens- und Alltagsregeln.

Kinder mit ADHS fallen schon früh durch anhaltendes Schreien, Erregbarkeit und Schreckhaftigkeit sowie bis in die Grundschulzeit vorliegende Einschlafschwierigkeiten auf. Sie haben ein bedeutsames Defizit an Konditionierbarkeit und in dessen Folge große Schwierigkeiten, Regeln des Alltagslebens und der sozialen Integration zu übernehmen. Sie können Gefahren nicht gut einschätzen, und sie haben in ihrem hektisch-getrieben wirkenden Verhalten große Schwierigkeiten, sich vorsichtig, rücksichtsvoll und planerisch zu verhalten. In ihrem emotionalen Befinden sind sie überwiegend und meist bis in die mittlere Grundschulzeit fröhlich-unbekümmert, später nimmt die Tendenz zu sekundären, empört-depressiven Reaktionen zu.

Aber die meisten Kinder mit ADHS weisen auch ausgeprägte prosoziale Verhaltensweisen wie spontane Hilfsbereitschaft und (impulsiver) Einsatz für ungerecht behandelte Kinder auf, Verhaltensweisen, die angesichts der von der Umwelt als "störend" erlebten ADHS-Symptomatik tragischerweise zu häufig übersehen werden.

Zu 2.: Zu den sogenannten qualitativen Merkmalen der hyperkinetischen Verhaltensweisen gehört besonders ihre Chronizität aus der Säuglingszeit bis ins Erwachsenenalter, der Tatbestand, daß sie durch erzieherische und psychotherapeutische Bemühungen nicht hinreichend beeinflußt werden können, sowie vor allem ihre Situationsabhängigkeit. So wird die Ausprägung der hyperkinetischen Verhaltensweisen regelhaft verstärkt in Situationen, die durch erregende Stimulationsfülle, durch disziplinierende und mentale Anforderungen und durch die Anwesenheit einer ärgerlich und ratlos reagierenden Person gekennzeichnet sind. Konkret bedeutet dies beispielsweise, daß die hyperkinetischen Verhaltensweisen unter schulischen Leistungsanforderungen verstärkt werden. Andererseits können die Kinder bei einer zugewandten ärztlichen oder psychologischen Untersuchung durchaus unauffällig sein, da hier ja die spezifischen, symptomverstärkenden Bedingungen nicht vorliegen.

Zu 3.: Die oben erwähnten, sog. "Handlungsprinzipien" besagen, daß in den verschiedenen Verhaltensformen der hyperkinetischen Kinder bestimmte wiederkehrende Handlungsmuster erkennbar sind. Und zwar stellen sich in den hyperkinetischen Verhaltensweisen zugleich (für das Kind nicht bewußte) zweckorientierte Handlungsmuster oder -prinzipien dar. Deren "Zweck" zielt auf eine Übertönung bzw. eine Verringerung derjenigen situativen Merkmale, die für das Kind einen verstärkenden Effekt auf die Ausprägung seiner hyperkinetischen Verhaltensweisen haben. So weicht das hyperkinetische Kind beispielsweise immer wieder der als überfordernd erlebten Gruppenbeschäftigung im Kindergarten aus, oder es versucht regelhaft, das Spiel anderer Kinder zu dominieren. Der meist hochexplosiven Schulaufgabensituation versucht es immer wieder auszuweichen, oder es drängt beim Familieneinkauf ungeduldig und nachhaltig quengelnd nach Hause.

Wenn man die hyperkinetischen Verhaltensweisen als beständige Versuche der Kinder zur Stimulationsverringerung ansieht, wird erkennbar, daß sie neben ihrer Störqualität (für das hyperkinetische Kind und für Andere) zusätzlich auch noch eine funktionale Adaptations- oder Selbst-Behandlungs-Qualität haben. Diese erkennt man in den beständigen Versuche der Kinder, fremdbestimmter Stimulation und Anforderung durch Selbstbestimmung auszuweichen und ihre entsprechend hohe Neigung, besonders mentalen Anforderungen durch "Nein!", durch Aufschieben oder Verweigerung zu entkommen. Bei selbstgewähltem Spiel im eigenen Zimmer oder mit nur einem Freund, der sich auf das Fremdbestimmtwerden durch das ADHS-Kind einlassen kann, können längerfristige, auch konzentriertere Beschäftigungen durchaus gelingen.

Auf den ersten Blick mag das hyperkinetische Verhalten als "trotzig", "oppositionell" oder auch als "unerzogen" erscheinen. Tatsächlich aber verdeutlichen diese Handlungsprinzipien, daß die Kinder einerseits selbst unter ihrer hohen Reizoffenheit, ihrem Ausgeliefertsein und dem für sie selbst so schwer steuerbaren Verhalten leiden, und daß die hyperkinetischen Verhaltensweisen andererseits (aus der Perspektive des Kindes) z. T. als Anpassungs- und Bewältigungsversuche verstanden werden können. Die Kinder versuchen sich vor allem gegen eine zu hohe Stimulation und Anforderung von außen (z.B. von besorgt-fordernden Eltern) zu wehren. So gesehen können wir alle von den hyperkinetischen Kindern lernen, uns gegen zu hohe Anforderungen und zu große Hektik zu wehren.

Genaue Kenntnisse über das ADHS stellen klar, daß Eltern an dem auffälligen Verhalten ihrer ADHS-Kinder keine Schuld trifft. Eltern können ihre Kinder gar nicht so erziehen, daß im Ende eine eindeutiges ADHS-Verhalten resultiert. Sie leiden in der Regel sehr an den Erziehungsschwierigkeiten und ihrer Ratlosigkeit und bedürfen wie ihre Kinder dringend professioneller Hilfe.
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Astrid
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BeitragThema: Re: Thema: ADHS   So Feb 08, 2009 7:50 pm

Die vermuteten Ursachen und die Behandlung des ADHS

Bezüglich der vermuteten Ursachen des ADHS geht man aktuell von einer spezifischen Hirnstoffwechselfunktion aus, die die hyperkinetischen Kinder besonders reizoffen und damit streßanfällig macht und ihnen ihre Verhaltens- und Handlungskontrolle sehr erschwert. Die Kinder reagieren viel impulsiver auf Reize und Anforderungen als andere. Sie können weniger abwägen, weniger "vorsichtig" sein. Auch können sie aktuelle Erfahrungen weniger erfolgreich gegen frühere Erfahrungen abgleichen als andere Kinder. Deshalb sind Kinder mit ADHS in einem großen Nachteil angesichts eines Schul- und Ausbildungssystems, dessen zunehmende Anforderungen bzgl. Steuerung der Impulsivität, der mentalen Aufmerksamkeitsfokussierung und Teamarbeit die Patienten anhaltend und bis zum Scheitern überfordern.

Übersicht über die parallelen und sich ergänzenden Behandlungsformen bei Kindern und Jugendlichen mit dem ADHS


1. Information

- Sehr ausführliche Information/Aufklärung/Beratung der Eltern, der ErzieherInnen und LehrerInnen und der hyperkinetischen Kinder selbst über die spezifischen Besonderheiten des ADHS mit dem Ziel, ein besseres Verständnis zu erzielen.

- Die Neu-Interpretationen führen allmählich zu veränderten Haltungen gegenüber dem hyperkinetischen Kind

- Stimulations-/Erregungsreduktion; Regelmäßigkeit im Tagesablauf; realistisches Anforderungsprofil;

- Schließlich sind dann praktische Hilfestellungen für den tagtäglichen Umgang erforderlich bis hin zu einem praktischen Elterntrainig

2. Gezielte Behandlung mit Medikamenten mit begleitender Beratung

3. Ggf. auch Nahrungsumstellung bei solchen Kindern, bei denen die Verhaltensweisen durch natürliche und/oder künstliche Nahrungsmittelbestandteile verstärkt werden (dies trifft jedoch nur für einen sehr kleinen! Teil der hyperkinetischen Kinder zu).
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Astrid
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BeitragThema: Re: Thema: ADHS   So Feb 08, 2009 7:51 pm

Elterntraining:

Trennen Sie sich von dem Gedanken, ein hyperaktives Kind erziehen zu wollen!

Na gut, so ist dieser Satz nun wieder nicht gemeint! Aber es ist unbedingt notwendig, sich von althergebrachten Erziehungsmethoden zu lösen.

Sehr wichtig ist es, eine Einstellung zu dem Sachverhalt zu gewinnen, dass das Kind immer wieder mit neuen Überraschungen aufwarten wird. Ständig werden die Grenzen ausgetestet, es gibt keinen Stillstand, laufend fällt dem Kind etwas Neues ein.

Ein Familienglück, wie es uns durch die Medien suggeriert wird, wird es in einer Familie mit ADS-Belasteten nicht geben. Erst mit dem Übergang des Kindes zum Erwachsensein kann es zu einer Harmonie kommen, wenn das Kind es bis dahin geschafft hat, ein positives Selbstbild zu gewinnen.

Wichtig ist, sich schnellst möglich damit abzufinden, dass es ein langanhaltender Kampf ist, sich mit dem Kind auseinander zu setzen.

Der Kampf des Kindes gilt dabei dem Erziehenden in der Rolle als Aufseher. Nicht die Person als Ganzes wird bekämpft, nur der Rollenteil des Erziehenden. Diese Erkenntnis ist ganz wichtig, um einen Umgang mit dem Kind zu ermöglichen, der auch durch Bemerkungen der Art " Du bist die blödeste Mutter, die es gibt!" nicht getrübt wird.

Beim Suchen nach einer neuen Einstellung zum betroffenen Kind müssen folgende Eigenheiten akzeptiert werden:



Das Kind kann nicht in einen "normgesteuerten" Menschen gewandelt werden. Das Syndrom besteht, der Wahrnehmungsstiel beinhaltet, das vieles nebenher registriert und gelernt wird, eine Umsetzung in das praktische Leben erfolgt jedoch mit geringer Steuerungsfähigkeit.

Das Kind ist ausgeprägt personenbezogen und stark kritikempfindlich. Wegen Kleinigkeiten kann es jederzeit zu Stimmungsumschwüngen kommen.

Es besteht ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, die kleinste "Ungerechtigkeit" wird sofort erfasst und führt zu Gegenreaktionen.

Die meisten hyperaktiven Kinder schlafen weniger als ihre Alterskameraden. Abends braucht das Kind oft lange um abschalten zu können. daraus resultiert jedoch auch oft eine gewisse Morgenmuffligkeit. Besonders schwer fällt oft auch die "Mittagsruhe", da zu diesem Zeitpunkt ein Abschalten selten möglich ist.

Die Aufmerksamkeitsstörung und die Probleme mit der Selbststeuerung treten einmal schlimmer und einmal weniger schlimm in Erscheinung. Für diesen Wandel sind keine erkennbaren Gründe gegeben.

Hyperaktive Kinder Schmusen nur, wenn sie dazu eine positive Einstellung zur Bezugsperson haben. Oft wird der Körperkontakt jedoch auch abgelehnt. Die meisten mögen jedoch Rückenkraulen.

Oft bestehen Schwierigkeiten im Kontakt zu gleichaltrigen. Das Kind springt in seinen Gedanken, tut unerwartete Dinge, redet dazwischen, spricht über Dinge, die nicht zum Thema gehören, unterbricht ein Spiel, hält sich nicht an die Regeln, flippt aus und wird oft beleidigend.

Das Kurzzeitgedächtnis für Situationen ist häufig nicht ausgeprägt, dafür das Langzeitgedächtnis um so mehr.

Bei schnellem Schreiben wird die Schrift meist unleserlich, wobei eine mangelhaftes Dosieren der groben Kraft deutlich erkenntlich ist.


Auch wenn es oft sehr schwer ist, man muss lernen, mit dem Kind umzugehen, so wie es ist. Sehen Sie über "Kleinigkeiten" hinweg, nutzen Sie die Einflussmöglichkeiten um an wichtigen Verhaltensweisen Ihres Kindes zu arbeiten.


Quelle: http://www.adhs-hilfe.de/

Buchtipp:
Eine andere Art, die Welt zu sehen
Eine praktische Lebenshilfe für aufmerksamkeitsgestörte Kinder und Jugendliche
Verlag Schmidt-Römhild 1997
ISBN 3-7950-0735-6
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